Wunderbohne Soja?

Wenn man im Supermarkt nach Sojaprodukten Ausschau hält, wird man schnell fündig. Je nach Sortiment variiert das Angebot zwischen Sojamilch, -soße, -joghurt, -sahne, -quark, Tofu und vielem mehr. Soja hat sich also aus der Naturkostecke heraus quasi ins Rampenlicht geschlichen und erfreut sich nicht nur bei Vegetariern und Anhängern der Biobewegung andauernder Beliebtheit. Das war aber nicht immer so. Zwar gilt die Sojapflanze seit mehr als 4000 Jahren in Asien als heilig, wo sie traditionell als Würzmittel verwendet wird, in Europa wurde sie aber erst allmählich im 18. Jahrhundert bekannt.   Ab den 1960ern in Deutschland zuerst als Viehfutter und Ölpflanze verwendet, löste sie in den 80ern einen Boom in der Lebensmittelbranche, der konventionellen als auch der Naturkost, aus.  Und dieser hält an, gilt Soja doch allgemein als Wunderbohne.

Besonders beliebt dabei: Tofu, der vielen als Fleischersatz dient oder in unterschiedlichster Form und Würzweise, eingelegt und angereichtert, Salate und andere Speisen aufpeppt. Punkten kann die Sojabohne vor allem durch ihren hohen Gehalt an pflanzlichem Eiweiß, sehr viel Eisen, Magnesium, Kalium, Kalzium, Zink, den Vitaminen B1, B2 und B6 sowie essentiellen Aminosäuren, die der Mensch selber nicht bilden kann, aber dringend benötigt. Komplettiert wird die Liste durch krebshemmende sekundäre Pflanzenstoffe, die auch gegen Rheuma und Diabetes helfen sollen. Ein weiterer Pluspunkt, Soja ist cholesterinfrei und trotzdem enthält eine halbe Tasse Sojabohnen soviel Eiweiß wie ein 150-Gramm Steak.

Immer wieder hört man außerdem, dass asiatische Frauen weniger Probleme mit den Wechseljahren haben und überhaupt deutlich weniger an Brustkrebs, Osteroporose oder Herzleiden erkranken, was im allgemeinen auch dem vermehrten Konsum von Soja zugeschrieben wird. Dies hat dazu geführt, dass Soja gleichgesetzt wird mit „gesund“, dabei bezweifeln immer mehr Mediziner, dass ein hoher Konsum der Sojabohne wirklich gesund ist und warnen daher vor den möglichen Risiken und Folgen.

Während Soja in Asien schon jahrhundertelang Bestandteil der asiatischen Küche ist, ist er in unseren Breitengraden noch verhältnismäßig neu und daher ungewohnt. Bei empfindlichen Personen kann es durch den Verzehr von Sojaprodukten daher zu überschießenden Immunreaktionen und Allergien kommen. Daher empfehlen Ärzte auf das Füttern von Babys und Kleinkindern mit Sojamilch oder anderen -produkten lieber zu verzichten. Auch Menschen mit einer Schilddrüsenunterfunktion sollten der Sojabohne mit ein wenig Skepsis begegnen, da die in ihr enthaltenen Phytoöstrogene sich ungünstig auf den Schilddrüsenstoffwechsel auswirken können. Soll heißen: die regelmäßige Einnahme von Sojapräparaten oder der Verzehr von fermentierten Sojaprodukten (Miso, Tempeh, Sojasoßen) kann auf Dauer die Schilddrüse stören.

Auch ist das Argument der Ernährungsweise asiatischer Frauen in Verbindung mit Wechseljahrsbeschwerden mit Vorsicht zu genießen und so wird europäischen Frauen in den Wechseljahren Soja nicht uneingeschränkt empfohlen, da es Krebszellen stimulieren könnte. Dies haben Tests mit weiblichen Ratten ergeben, bei denen Sojahormone Krebszellen schneller wachsen ließen. Dies ist problematisch, weil viele Frauen nach der Menopause Mini-Tumore in der Brust tragen, die sich aber oft nicht zu großen Tumoren auswachsen. Frauen in den Wechseljahren, die ein erhöhtes Krebsrisiko haben oder bereits an Brust- oder Gebärmutterkrebs erkrankt sind, sollten sich daher nicht über längere Zeit sojareich ernähren oder Sojapräparate einnehmen.

Und was ist dann mit den Japanerinnen? Vielleicht hängt deren bessere Gesundheit nicht unbedingt mit der Sojabohne zusammen, sondern der Tatsache dass sie generell weniger wiegen, weniger rauchen oder Alkohol konsumieren.

[AKH]

Bild: Benjamin Klack / pixelio.de